16. Die Hindu-Schahis in Kabulistan und Gandhara und die arabische Eroberung

Folgt man dem arabischen Geschichtsschreiber al-Biruni (973–1048), so war der letzte Turk-Schahi auf dem Thron von Kabul ein gewisser Lagaturman, der von seinem brahmanischen Minister Kallar um die Mitte des 9. Jahrhunderts gestürzt wurde. Mit dem Antritt des abbasidischen Kalifats im Jahre 750 hatte sich die Situation für die noch immer weitgehend unabhängigen Königreiche in Zabul und Kabulistan drastisch verschlechtert. 814/15 hatte der Kabul-Schah eine empfindliche Niederlage gegen die Truppen des Abbasiden-Kalifen al-Ma’mun (813–833) hinnehmen müssen (Nr. 13) und war gezwungen worden, zum Islam überzutreten. Ma’muns Truppen waren sogar bis nach Gandhara, an den Indus, vorgestoßen. Der jährliche Tribut, den der Kabul-Schah in der Folge an den abbasidischen Gouverneur von Chorasan zu entrichten hatte, belief sich auf jährlich 1.500,000 Dirhems sowie 2000 Sklaven. In dieser politisch wie wirtschaftlich überaus angespannten Lage wurde die türkischen Königsdynastie gestürzt, die nahezu 200 Jahre lang in Kabulistan und Gandhara regiert hatte. Unter der neuen Herrscherdynastie, die al-Biruni als Hindu-Schahis bezeichnet, verschob sich das politische Zentrum des Reiches zunehmend von Kabul nach Udabhandapura (heute Hund) in Gandhara, das mehr Sicherheit vor den arabischen Attacken bot.

Und diese ließen nicht lange auf sich warten: Um 861 war Yaqub bin Laith al-Saffar zum mächtigsten Mann in Ostiran aufgestiegen; sein erstes Ziel war Zabulistan, das er 870/71 in mehreren Feldzügen endgültig besiegte. Noch im selben Jahr erfolgte der Vorstoß nach Kabul, der Kabul-Schah wurde gefangengesetzt und der heilige Tempel geplündert. Dabei sollen Yaqub 50 Götterstandbilder aus Gold und Silber in die Hände gefallen sein, die er an den Kalifen nach Bagdad schickte. Nach dem Tod Yaqubs, der einem Statthalter die Regierungsgeschäfte in Kabul übertragen hatte, im Jahre 879 scheint es den Hindu-Schahis noch einmal gelungen zu sein, Kabul zurückzugewinnen. Schließlich war es der Samaniden-Herrscher Isma’il I. (892–907), der die Hindu-Schahis um 900 endgültig aus Kabulistan vertrieb (Nr. 3). In Gandhara und dem Punjab konnte sich die Dynastie noch bis zum Beginn des 11. Jahrhunderts behaupten.

Kontext

A. Das islamische Reich. Nach dem Tod des Propheten Mohammed im Jahre 632 gelang es den arabischen Stämmen, getragen von der neuen Religion des Islam, das byzantinische Syrien, Palästina, ägypten und Nordafrika innerhalb weniger Jahre zu erobern. Die Eroberung des persischen Weltreichs der Sasaniden war um 651 im Wesentlichen abgeschlossen.

Die erste muslimische Herrscherdynastie, die Umayyaden (661–750), gehörten demselben Stamm wie der Propheten Mohamed an (Nrn. 11, 12). Der Sitz des Kalifen wurde im syrischen Damaskus eingerichtet. Im Jahre 750 wurde die Umayyaden-Dynastie von den Abbasiden gestürzt, die die Hauptstadt des muslimischen Imperiums nach Bagdad verlegten (Nr. 13).

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