2. Das Reich der Sasaniden in Persien

Der Begründer der sasanidischen Königsdynastie war Ardaschir I. (224–240) aus dem Geschlecht des Sasan, der um 224 n. Chr. seinen Oberherrn, den parthischen Großkönig, in offener Feldschlacht besiegte und sich in Seleucia-Ktesiphon (IraK) zum „König der Könige der Iranier“ krönen ließ (Nr. 1). Die Sasaniden haben über mehr als vier Jahrhunderte in Iran geherrscht und dem Land ihren Stempel aufgedrückt. Viele Elemente und Charakteristika der sasanidischen Kultur wurden in der Folge von den islamischen Eroberern übernommen und gelangten durch die Vermittlung von Byzanz bis ins europäische Mittelalter.

Außenpolitisch standen die Sasaniden vor dem Problem, ihre Grenzen gegen den Erzfeind Rom (später Byzanz) auf der einen und die aus den Steppen Zentralasiens anstürmenden Nomadenvölkern auf der anderen Seite abzusichern zu müssen – ein strategisches Dilemma, mit dem sich in der Spätantike auch Rom und Byzanz konfrontiert sahen. Beide Großreiche strebten danach, Mehrfrontenkriege zu vermeiden und dafür den jeweiligen Gegner in einen solchen zu verwickeln. Römer bzw. Byzantiner, Hunnen und Westtürken waren jene Mächte, mit denen sich die Sasaniden vorwiegend auseinanderzusetzen hatten, sei es auf dem Schlachtfeld, sei es auf dem diplomatischen Parkett. Hinter diesem von stets wechselnden Allianzen geprägten Mächtespiel standen aber auch handfeste wirtschaftliche Interessen, die darauf abzielten, die Handelsströme von und nach China und Indien, sei es zu Wasser oder zu Land, zu kontrollieren.

Von besonderer strategischer Bedeutung für die sasanidischen Interessen in Zentralasien war Baktrien im heutigen Nord-Afghanistan. Allerdings ist unklar, wann es den Sasaniden tatsächlich gelang, das Land von den dort regierenden Kuschankönigen zu erobern und längerfristig in Baktrien Fuß zu fassen. Die Münzprägung der in Baktrien regierenden sasanidischen Gouverneure im Königsrang begann frühestens unter Wahram I. (273–276) (Nr. 3).

Kontext

A. Das Sasanidenreich. Seine größte Ausdehnung ist in der nach 260 gesetzten dreisprachigen Inschrift Schapurs I. (240–272) am „Turm des Zarathustra“ in Naqsch-i Rustam (unweit von Persepolis, Fars, SW-Iran) festgehalten. Schapurs Angaben sind allerdings stark übertrieben und entsprechen nicht immer den Tatsachen.

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